ORIENTATE - ein Projekt der UN Ozeandekade

Erosion der Küste

Veränderungen an den Küsten unserer Meere waren schon immer ein natürlicher und ständiger Begleiter für die Bewohner. Durch die Klimakrise können sie jedoch dramatisch zunehmen und außer Kontrolle geraten. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels und der Zunahme extremer Stürme kommt es an vielen Küsten zu schweren Erosionen - nicht nur an der Nordsee, sondern auch im Mittelmeer. Die Insel Djerba, ein beliebtes Urlaubsziel in Tunesien, ist ein deutliches Beispiel, wo die Erosion mit bis zu mehr als 4 m pro Jahr besonders ausgeprägt ist. Das bedeutet, dass Anwohner und Touristen ihre Strände von Jahr zu Jahr schrumpfen sehen. Das Fehlen eines Küstenschutzes ist ein schwieriger Faktor, der negative Rückkopplungen verursacht und die Küstenerosion verstärkt. Seegraswiesen, die früher in dieser Gegend weit verbreitet waren, sind ein wichtiges Ökosystem in den flachen Gewässern Südtunesiens. Dieses Ökosystem ist dafür bekannt, dass es die Wellenenergie und damit die Wellenhöhe dämpft. Im Nordosten von Djerba ist diese Wiese nur noch ein Rest der Wiese, die einst rund um die Insel existierte und sich bis in eine Tiefe von mehr als 30 m erstreckte.

ORIENTATE ist eine Kooperation des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung und der Universität von Sfax in Tunesien. Es wird durch die 2018 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufene Initiative Meerwissen finanziert und ist Teil der Aktivitäten der UN-Ozeandekade.

Die Ziele des Projekts

Am AWI mit den Meeresstationen Helgoland und Sylt sowie der Universität von Sfax in Tunesien arbeiten Forscher daran, diesen Prozess mit Hilfe von Seegrasplantagen zu verlangsamen. Dieses Projekt wird im Rahmen der UN-Dekade des Ozeans gefördert, da hier soziale und ökologische Prozesse Hand in Hand gehen.
Die dichten und ausgedehnten Seegraswiesen im Mittelmeer um Djerba wurden in der Vergangenheit durch Fischfang und Strandrodung stark dezimiert. Die Reste von Seegras am Strand wurden als Abschreckung für Touristen angesehen. Inzwischen sind schwere Küstenerosion und der Verlust ganzer Strandabschnitte auf der Insel allgegenwärtig. Es findet ein Umdenken statt. In Zusammenarbeit mit lokalen Gruppen wie Fischern, Jugendorganisationen und Hotelbetreibern werden nun mit Forschern der Universität Sfax und des AWI sowie mit Nichtregierungsorganisationen und lokalen Behörden neue Ansätze entwickelt. Das Seegras kann Strände stabilisieren und so zu deren Erhalt und dem des Ökosystems beitragen, es erhöht die Artenvielfalt und bietet - richtig kommuniziert - einen Markt als Touristenattraktion, zum Beispiel durch geführte Schnorchel- oder Bootstouren. In vielen Küstenregionen ist diese "Arbeit mit der Natur" erfolgreicher als die Arbeit gegen die Natur.

Aktivitäten im ORIENTATE Projekt

Summer Camp auf Djerba, Tunesien vom 15. - 19. Juli 2024

Auf Djerba fand vom 15.-19. Juli 2024 ein Sommercamp statt. In der kleinen Stadt Aghir (Djerba, Tunesien) lernten die Teilnehmenden grundlegendes Wissen über Seegras und die Vorteile der Wiederherstellung von Seegraswiesen. Im Rahmen einer geführten Schnorcheltour und Exkursionen in der Umgebung konnten sich die Teilnehmenden einen Eindruck von der Natur und den örtlichen Gegebenheiten verschaffen. Darüber hinaus lernten die Teilnehmer in einer Kombination aus Vorträgen und praktischen Übungen verschiedene Methoden zur Wiederherstellung von Seegras und Strategien zum Küstenschutz kennen. Das Summer Camp bot eine großartige Gelegenheit für tunesische und deutsche Teilnehmende sich gegenseitig auszutauschen und in Kontakt mit den Wissenschaftler:innen vor Ort zu treten.

Seegras-Pflanzsaison beginnt bald auf Djerba, Tunesien

In den kommenden Monaten wird die erste Verpflanzung von Seegras in die Pilotanlage in der Nähe von Aghir beginnen, gefolgt von einer genauen Überwachung von Parametern wie Strömung, Temperatur, Salzgehalt, Trübung und In-situ-Überwachung des Biotops (Fische, Pflanzen, andere benthische Organismen wie Seesterne, Muscheln und Würmer). Folgen Sie uns für aktuelle Informationen hier oder auf Facebook.

Co-design Workshops auf Djerba, Tunesien zur Vorbereitung

In zwei Co-Design-Workshops haben wir mit Interessenvertretern in Tunesien auf Djerba zusammengearbeitet. Wir konnten die Unterstützung von lokalen Nichtregierungsorganisationen, Fischereigemeinden, lokalen Politikern und dem örtlichen Tourismusverband auf Djerba gewinnen. Der erste Co-Design-Workshop fand bereits im Oktober 2022 statt. Es folgte ein zweiter im April 2023. Unser Team besteht sowohl aus den Projektpartnern von der Universität Sfax, Lobna Boudaya und Lassaad Neifar, als auch aus dem AWI, Tobias Dolch, Annika Cornelius, Anna Bergmann, Eva Brodte und Karen Wiltshire, aber auch aus den unterstützenden Interessengruppen. Wir danken Ihnen allen für Ihre Unterstützung.