Svalbard-Barentsee-Eisschild

Der Svalbard-Barentssee-Eisschild (SBSIS) bedeckte neben dem Spitsbergen-Archipel auch große Teile der heutigen Barentssee und reichte vermutlich südlich manchmal bis zum skandinavischen Eisschild. In sehr kalten Eiszeiten reichte er nach Osten und Südosten bis über Franz Josef Land und Novaja Zemlja hinaus bis in die heutige Karasee. Dieser mächtige Eispanzer formte die Landschaft unter sich und hinterliess viele Spuren, die wir heute lesen können. Die auffälligsten Spuren sind die großen eiszeitlichen Tröge, die wir überall um Spitsbergen finden und die heute die malerischen Fjorde beheimaten. Solche Tröge sind immer ein Zeichen dafür, dass hier das Eis besonders schnell floss und mit Kraft den Untergrund erodiert hatte. Ähnliche Tröge finden wir aber nicht nur an Land, sondern auch in den flacheren Bereichen der Schelfgebiete.

Neben diesen glazialen Trögen finden wir auch Spuren, die meist vom Rückzug des Eises am Ende einer Eiszeit stammen. Dies sind natürlich erst einmal die Moränen, wie wir sie auch von Gletschern im Gebirge kennen. Aber beim Zerfall eines Eisschildes entstehen auch Eisberge, und wenn diese mächtig genug sind, um bis zum Meeresboden zu reichen, hinterlassen ihre Kiele Kratzer. Schmelzen die Eisberge dann später, dann fallen auch die Kiesel und Sandkörner zum Meeresboden, die von den Eisbergen bei ihrer Entstehung aufgenommen wurden und die sich als blinde Passagiere mit den Eisbergen auf Reise gemacht haben. Mit Hilfe von bathymetrischen Kartierungen können wir die Oberflächen des Meeresboden kartieren und bekommen damit Rückschlüsse über die maximale Größe des Eisschildes und über den Zerfall am Ende des letzten Glazials. Wollen wir frühere Zeiten untersuchen, also die Kalt- und Warmzeiten vor der letzten Eiszeit, nehmen wir die Sedimentechographie und die Seismik zur Hilfe, um ein Bild der Ablagerungen am Meeresboden zu bekommen. In Sedimentkernen untersuchen wir die Meeresbodenablagerungen dann genauer und zählen beispielsweise, wie viele durch Eisberge transportierte Kieselchen und Sandkörner zu finden sind. Manchmal kann man an den Steinchen sogar erkennen, von wo genau sie stammen, was dann wiederum Rückschlüsse auf die Meeresströmungen gibt, die die Eisberge transportiert haben.

Die Barentssee, das Meeresgebiet nördlich von Skandinavien, war bis vor ungefähr einer Million Jahre noch Land. Der mächtige SBSIS hat es aber geschafft, so viel Material zu erodieren, dass die Barentssee heute ein Meer ist. Das hat natürlich einen gewaltigen Einfluß auf die Meeresströmungen gehabt.

Aktuell untersuchen wir neben den bathymetrischen Daten, den Sedimentecholot- und den seismischen Profilen auch lange Sedimentkerne, die wir in einem großen internationalen Projekt - dem IODP-Projekt mit der Nummer 403 - westlich von Spitsbergen erbohrt haben. Die Kerne reichen zeitlich bis in die Zeit vor den großen Vereisungen der Nordhalbkugel zurück und werden uns daher viel über die Entwicklung des Klimas und der Meeresströmungen der letzten bis zu 5 Millionen Jahren erzählen. 

Ansprechperson:

Dr. Catalina Gebhardt
Dr. Jens Grützner

Kooperationspartner:

Prof. Dr. Stijn De Schepper, NORCE, Bergen, Norway
Dr. Renata Lucchi, OGS, Trieste, Italy
Prof. Dr. Brendan Reilly, Lamont, Palisades, New York, USA

 

IODP-Projektseite:

Eastern Fram Strait Paleo-Archive (FRAME), Expedition 403